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Wahlprüfsteine zur Landratswahl: Jugendliche im Landkreis Gifhorn bewerten die Antworten der Kandidierenden

Der Kreisjugendring Gifhorn e.V. hat anlässlich der aktuellen Landratswahl im Landkreis Gifhorn Wahlprüfsteine erstellt – aus der Perspektive junger Menschen. Ziel war es, herauszufinden, wie ernst die Kandidierenden die Themen nehmen, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Landkreis bewegen.

 

Jugendliche und Verbände bestimmen die Themen

Bevor die Fragen an die Kandidierenden verschickt wurden, hat der Kreisjugendring Jugendliche und Mitgliedsverbände befragt, welche Themen ihnen wichtig sind und wo sie sich von der Kreispolitik mehr Engagement wünschen. Aus diesen Rückmeldungen entwickelte der Vorstand des KJR einen Fragenkatalog, der anschließend an alle demokratischen Kandidierenden versendet wurde.

 


Antworten bewertet mit dem Ampelsystem

Alle Kandidierenden erhielten die Chance, ihre Standpunkte und Ideen zu jugendrelevanten Themen zu präsentieren. Die eingegangenen Antworten wurden an Jugendliche sowie an die Mitgliedsverbände des Kreisjugendrings weitergeleitet.

 

Diese bewerteten die Antworten mit einem Ampelsystem:

 

🟢 Grün bedeutete „Stimme voll zu“

🟡 Gelb stand für „teils/teils“

🔴 Rot hieß „Stimme so nicht zu“

 

Auf dieser Basis entstanden Wahlprüfsteine, die zeigen, welche Positionen die jungen Menschen im Landkreis überzeugend fanden – und welche weniger.

 

Stimmen aus dem Vorstand

„Es ist schön, dass sich so viele Verbände und Jugendliche beteiligt haben und wir so auch für die jungen Menschen im Landkreis eine Stimme wiedergeben konnten“, sagt Milo Merkel vom KJR-Vorstand. „Leider nutzten nicht alle Kandidierenden ihre Chance, konkrete Maßnahmen, Ideen und Visionen zu nennen. Die Jugendlichen bemängelten in den Antworten, dass es oft keine klaren und zielgerichteten Aussagen, sondern viel Wortklauberei gab.“

 

Dominik Ruder, ebenfalls im Vorstand des Kreisjugendrings, ergänzt: „Trotzdem freuen wir uns, dass so deutlich wird, dass junge Menschen ebenso eine politische Stimme haben. Mit den Wahlprüfsteinen wollen wir erreichen, dass sich die Kreispolitik insgesamt stärker um die Belange dieser bisher stark vernachlässigten Zielgruppe kümmert.“

 

Transparenz und Beteiligung stärken

Mit den Wahlprüfsteinen möchte der Kreisjugendring Gifhorn e.V. nicht nur die Wahlentscheidung junger Menschen unterstützen, sondern auch dazu beitragen, dass Politik im Landkreis jugendgerechter, transparenter und beteiligungsorientierter wird.

 


Die einzelnen Antworten der Kandidierenden

1. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie zur Verbesserung und Ausweitung von Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene im Landkreis Gifhorn – besonders in den ländlichen Räumen? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Mir ist wichtig, dass junge Menschen gute Chancen für Bildung, Ausbildung und Freizeit haben. Ich möchte Ausbildungsplätze sichern, die Kinderfreundlichkeit im Landkreis stärken und dafür sorgen, dass Jugendliche mehr Gehör in politischen Prozessen finden. Meine Leitlinie ist, dass jeder junge Mensch die Möglichkeit haben soll, ein selbstbestimmtes Leben in Verantwortung und Freiheit zu führen.
Philipp Raulfs (SPD): An vielen Orten des Landkreises gibt es Strukturen in Form von Jugendtreffs oder Jugendclubs. Das sind wichtige Treffpunkte für Jugendliche außerhalb der eigenen vier Wände. Ich denke, man muss den Jugendlichen dann auch etwas zutrauen und sie in die Gestaltung und auch Verwaltung dieser Räume miteinbeziehen. Auch dafür gibt es gute Beispiele, etwa in Rethen. Ansonsten finde ich, dass wir über Kooperationen mit Vereinen und Sportstätten für mehr Angebote vor Ort diskutieren müssen. Sprich, dass wir vorhandene Strukturen nutzen und ausweiten. Auf kommunaler Ebene sind der Phantasie zudem keine Grenzen gesetzt: Man könnte sogenannte „Jugendbudgets“ diskutieren, damit Jugendliche Projekte selbst anstoßen können. Oder Festivals, Konzerte und Kulturangebote in Kooperation mit Schulen und Jugendzentren anbieten. Ganz wichtig ist, die Jugendlichen zu hören. Ein Weg ist, dass sich Jugendliche auch politisch und gesellschaftlich engagieren. Das ist der kürzeste und effektivste Weg zur Mitbestimmung und Gestaltung!
Marion Mäding (BSW): Es braucht wohnortnahe Treffpunkte, die Jugendlichen attraktive Möglichkeiten bieten. Dazu gehören offene Räume, Sportangebote, Veranstaltungen sowie die bessere Anbindung an bestehende Freizeitstätten durch den ÖPNV.
2. Welche Rolle sehen Sie für Jugendzentren, offene Treffs und mobile Jugendarbeit? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Jugendzentren und offene Treffs sind für mich unverzichtbare Orte, an denen Jugendliche Gemeinschaft, Sicherheit und Orientierung erfahren. Sie sind Orte der Begegnung, Integration und Entfaltung. Ich möchte diese Einrichtungen stärken und in enger Zusammenarbeit mit den Trägern weiterentwickeln.
Philipp Raulfs (SPD): Jugendzentren sind elementar wichtig für die Jugendarbeit in Dörfern und Städten. Sie bieten niedrigschwellige Angebote. Gerade im ländlichen Raum sind auch die mobilen Angebote wichtig und ausbaufähig, um kleine Orte besser zu erreichen. Diese Jugendlichen dürfen wir nicht abhängen. Offene Treffs sind als Orte der Begegnung insbesondere da wichtig, wo Jugendliche nicht vereinsgebunden sind. Und sie bieten Ansprechpersonen, wenn die Jugendlichen Probleme haben. Daher müssen wir hier in der Fläche ansprechbar sein.
Marion Mäding (BSW): Jugendzentren und offene Treffs sind unverzichtbar. Dort können junge Menschen unabhängig von Herkunft oder Hintergrund zusammenkommen. Mobile Jugendarbeit ist besonders wichtig in ländlichen Regionen, um auch Jugendliche zu erreichen, die sonst abgehängt wären.
3. Welche Unterstützung planen Sie für ehrenamtliche Freizeitinitiativen? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Das Ehrenamt ist für mich das Herz unserer Gesellschaft. Ich möchte Ehrenamtliche in der Jugendarbeit gezielt stärken – durch Qualifizierungsmöglichkeiten, eine bessere Anerkennungskultur und eine verlässliche finanzielle Ausstattung der Vereine. Mein Leitgedanke ist, dass gelebte Verantwortung und Zusammenhalt die Grundlage einer starken Gemeinschaft sind.
Philipp Raulfs (SPD): Ich glaube entscheidend ist die Vereinfachung der Förderung von solchen Initiativen, sprich weniger Bürokratie und einfache Strukturen. Dann geht es natürlich auch darum, Ehrenamtliche mit Material auszustatten, sei es Technik für eine Veranstaltung, ein Grill für ein nettes Beisammensein, Zelte oder was auch immer. Außerdem brauchen wir aus meiner Sicht eine neue Anerkennungskultur: Stärkung der Juleica, offen gelebte Wertschätzung für die Aktiven und auch einen guten Umgang miteinander, sodass wir diejenigen, die bereit sind sich zu engagieren, keinesfalls verlieren.
Marion Mäding (BSW): Ohne Ehrenamt funktioniert Jugendarbeit nicht. Ich will Ehrenamtliche durch Fortbildungen, organisatorische Hilfen und kleine finanzielle Unterstützungen stärken.
4. Welche Förderstrukturen möchten Sie für die langfristige Planungssicherheit in der Jugendarbeit schaffen? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Ich möchte die bestehenden Förderstrukturen sichern und gleichzeitig modernisieren, damit Jugendverbände und Initiativen verlässlich planen können. Gleichzeitig soll Raum für innovative Projekte entstehen. Für mich ist entscheidend, dass junge Menschen stabile Rahmenbedingungen haben, um ihre Ideen umzusetzen.
Philipp Raulfs (SPD): Mir ist sehr bewusst, dass sich die Träger mehrjährige Förderzusagen wünschen anstatt immer wieder neu zu verhandelnde Jahresbudgets. In der Realität ist das leider nicht so einfach, weil es gerade im sozialen Bereich so viele Initiativen und Angebote gibt, dass dies schwer zur realisieren ist. Wichtig ist daher auch eine enge Abstimmung mit Kommunen und Institutionen wie dem Kreisjugendring, um hier ggf. Synergieeffekte zu nutzen. Ganz persönlich ist mir der Austausch mit Jugendlichen wichtig und das möchte ich auch als möglicher Landrat fortsetzen. Dabei bin ich offen für Ideen, etwa einen „Jugendförderfonds“ beim Landkreis oder andere Ideen, die wir gemeinsam entwickeln sollten.
Marion Mäding (BSW): Jugendarbeit braucht Verlässlichkeit. Ich setze mich für langfristige Förderzusagen und institutionelle Unterstützung ein, damit Projekte nicht ständig um ihre Existenz kämpfen müssen.
5. Wie soll die Qualitätssicherung und Weiterqualifizierung von Fachkräften in der Jugendarbeit gefördert werden? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Qualität in der Jugendarbeit bedeutet für mich, dass Fachkräfte und Ehrenamtliche bestmögliche Unterstützung erhalten. Ich möchte Fort- und Weiterbildungsangebote stärken und die Zusammenarbeit mit Fachstellen und Schulen ausbauen. Dabei leitet mich die Überzeugung, dass Bildung und Wertevermittlung Hand in Hand gehen.
Philipp Raulfs (SPD): Fortbildungsangebote müssen gemeinsam mit Fachverbänden entwickelt werden, damit wir eine hohe Qualität anbieten können. Hier müssen wir vorhandene Expertise nutzen. Grundsätzlich erlebe ich aber eine sehr hohe Qualität und vor allem ganz viel Herzblut bei all denjenigen, die in diesem Bereich aktiv sind, sei es ehrenamtlich oder hauptamtlich. Nichtsdestotrotz gilt natürlich, dass es Zuschüsse für Weiterbildungen und neue Qualifikationsmöglichkeiten geben sollte. Ich bin erst einmal froh, wenn wir über ausreichend Fachkräfte verfügen, um diese wichtige Arbeit umzusetzen, denn gerade im sozialen Bereich ist das alles andere als selbstverständlich. Daher müssen wir auch bestmögliche Rahmenbedingungen bieten.
Marion Mäding (BSW): Die Arbeit von Fachkräften entscheidet über die Qualität. Deshalb soll es kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten geben – praxisnah und finanziert durch den Landkreis.
6. In Zeiten knapper kommunaler Kassen sind Angebote für junge Menschen und sogenannte „freiwillige Leistungen“ das Erste, was gerne gekürzt oder gar gestrichen wird. Wie möchten Sie verhindern, dass junge Menschen die ersten sind, denen Kürzungen in ihren Angeboten zugemutet werden? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Ich sehe Angebote für Kinder und Jugendliche nicht als Kosten, sondern als Investition in die Zukunft. Deshalb möchte ich klare Prioritäten setzen und zusätzlich Förderprogramme nutzen, damit Jugendangebote nicht gestrichen werden, sondern langfristig gesichert bleiben.
Philipp Raulfs (SPD): Wir müssen es hinbekommen, Jugendangebote als „Pflichtaufgabe im Denken“ zu etablieren und natürlich auch Gelder dafür bereitstellen. Es geht hierbei auch um ein entscheidendes politisches Signal. Wir können nicht immer betonen, dass uns die Jugendlichen wichtig sind und dann aber keine Gelder für Jugendarbeit bereitstellen. In Zeiten knapper Kassen zählt hier die richtige Priorisierung und wir müssen, wie bereits beschrieben, Synergieeffekte innerhalb der kommunalen Familie nutzen.
Marion Mäding (BSW): Jugendangebote sind keine „freiwilligen Leistungen“, sondern Investitionen in die Zukunft. Ich werde mich dafür einsetzen, dass gerade diese Angebote nicht gekürzt werden.
7. Wie möchten Sie den Ausbau von Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen vorantreiben? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Schulsozialarbeit ist für mich ein zentraler Baustein, damit Kinder und Jugendliche gute Bildungswege gehen können. Ich möchte besonders belastete Schulen gezielt unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendhilfe und Elternhaus fördern. Mein Ziel ist, jedem Kind faire Chancen zu ermöglichen.
Philipp Raulfs (SPD): Schulsozialarbeit ist ein Thema, das beim Land liegt. Jugendsozialarbeit hingegen liegt in den Kommunen. Kooperationen zwischen Land und Schulträgern wären hier denkbar. Denn ich bin ein Befürworter von Schulsozialarbeit. Hier können Kinder und Jugendliche bei Problemen frühzeitig Unterstützung erfahren. Eine echte Präventivmaßnahme, die es uns wert sein sollte, dafür auch Gelder einzusetzen. Daher sehe ich hier Land und Kommunen beide in der Pflicht. Im Optimalfall sollte Schulsozialarbeit an allen Schulen verstärkt werden. Ich weiß aber auch, dass wir im Landkreis an den Schulen ganz viele kompetente Kräfte für diesen Bereich haben. Diese müssen wir stärken, denn sie leisten hervorragende Arbeit vor Ort und haben die Kinder und Jugendlichen im Blick.
Marion Mäding (BSW): Ich möchte die Zahl der Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter deutlich erhöhen. Sie sind zentrale Ansprechpartner für Schüler, Eltern und Lehrkräfte, begleiten Konfliktbewältigung und stärken das soziale Miteinander an Schulen.
8. Welche Rolle soll außerschulische Jugendarbeit in Kooperation mit Schulen spielen? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Die außerschulische Jugendarbeit sehe ich als gleichwertige Ergänzung zur Schule. Sie bietet jungen Menschen wichtige Erfahrungen für Persönlichkeitsentwicklung, Werteorientierung und soziale Integration. Deshalb möchte ich sie als eigenständigen Bildungs- und Erfahrungsraum weiterhin stärken.
Philipp Raulfs (SPD): Nachgedacht wir hier oft über eine Verzahnung von Ganztagsschule und Vereinen, was aber durch die klaren Definitionen des Ganztags mitunter schwierig ist. Außerdem arbeiten die Ehrenamtlichen dieser Vereine dann oft noch und stehen nicht zur Verfügung, wenn es um Angebote geht. Was wir aus meiner Sicht machen können, sind Projektwochen mit externen Partnerinnen und Partnern durchzuführen. Ich persönlich finde es wichtig, Schule auch als offenen Lernorte zu fördern, sodass man neben den fest verankerten Lerninhalten auch die Möglichkeit hat, nach rechts und links zu schauen. Ich weiß, dass das auch viele Lehrkräfte gut finden, aber leider angesichts von knappen Ressourcen nicht immer möglich ist.
Marion Mäding (BSW): Schulen und außerschulische Jugendarbeit sollen sich ergänzen. Projekte, AGs oder gemeinsame Aktionen können Jugendlichen neue Erfahrungen und Perspektiven ermöglichen.
9. Wie möchten Sie die Arbeit von freien Trägern und Jugendverbänden wie dem Kreisjugendring Gifhorn unterstützen? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Die Vielfalt freier Träger ist für mich ein großer Gewinn. Ich möchte ihre Arbeit durch verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen absichern, ihre Vernetzung erleichtern und ihnen partnerschaftlich auf Augenhöhe begegnen. Für mich zählt, dass Engagement von unten unterstützt wird und Freiraum zur Entfaltung bleibt.
Philipp Raulfs (SPD): Ich wünsche mir als erstes die Stärkung des Kreisjugendrings als Plattform für Ideen, Diskussion und Austausch und bin froh, dass es hier in den letzten Jahren wieder eine positive Entwicklung gegeben hat. Auch Jugendarbeit lebt schließlich vom Mitmachen! Natürlich braucht es darüber hinaus eine strukturelle Beratung und Koordinierung, verlässliche Fördermittel und keine Einzelprojekt-Abhängigkeit. Nochmals: Meine Tür steht Jugendlichen und ihren Ideen stets offen, so bin ich selbst in die Politik gekommen. Miteinander zu reden und Ideen abzuwägen, ist oft der erste Schritt. Dafür sehe ich den Kreisjugendring als hervorragende Plattform.
Marion Mäding (BSW): Freie Träger leisten einen unverzichtbaren Beitrag. Ich will ihre Arbeit durch verlässliche Zuschüsse und bessere Vernetzung mit kommunalen Stellen stärken.
10. Planen Sie eine Anpassung oder Aufstockung der institutionellen Förderung für freie Träger? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Ich setze mich dafür ein, die Mittel für Jugendarbeit mindestens zu sichern und – wo möglich – gezielt zu erhöhen. Besonders wichtig sind mir Projekte, die Integration, Digitalisierung und Beteiligung von Jugendlichen fördern. Finanzielle Verlässlichkeit ist für mich Ausdruck von Verantwortung und Wertschätzung.
Philipp Raulfs (SPD): Das entscheidet der Kreistag, weshalb wir stets gucken müssen, was die Träger leisten und dann ggf. auch die Förderung anpassen. Einer pauschalen Erhöhung kann ich hier daher nicht zustimmen.
Marion Mäding (BSW): Wo es sinnvoll und nötig ist, werde ich eine Aufstockung der Förderung freier Träger unterstützen, damit Jugendarbeit langfristig gesichert bleibt.
11. Wie kann die Zusammenarbeit zwischen kommunaler und freier Jugendarbeit verbessert werden? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Mir ist wichtig, dass junge Menschen nicht zwischen Zuständigkeiten verloren gehen. Deshalb möchte ich feste Netzwerke schaffen, in denen Jugendhilfe, Schulen und Vereine eng zusammenarbeiten. So entsteht ein System, das Kinder und Jugendliche umfassend unterstützt.
Philipp Raulfs (SPD): Hier braucht es zu allererst den Willen, auch gemeinsam arbeiten zu wollen. Das war nicht immer der Fall. Konkret bedeutet das: Runde Tische und feste Dialogstrukturen, Kooperationsvereinbarungen mit klaren Zuständigkeiten und auch eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit und gemeinsame Veranstaltungen. Für viele Menschen ist das Angebot an sich entscheidend und nicht, von welchem Träger es kommt. Wenn wir hier Kräfte bündeln, gibt es aus meiner Sicht einen Mehrwert für die Jugendlichen, was für alle Verantwortlichen an oberster Stelle stehen sollte.
Marion Mäding (BSW): Regelmäßige Austauschrunden, gemeinsame Projekte und klar definierte Zuständigkeiten können die Zusammenarbeit verbessern. Ich möchte Strukturen fördern, die Kooperation erleichtern.
12. Welche Maßnahmen planen Sie, um den ÖPNV im Landkreis Gifhorn jugendgerechter zu gestalten? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Jugendgerechter ÖPNV bedeutet für mich: verlässlich, sicher und bezahlbar. Ich möchte erreichen, dass Jugendliche ihre Schule, Ausbildungsstätte und Freizeitangebote unkompliziert erreichen können – egal, ob sie in der Stadt oder im ländlichen Raum wohnen.
Philipp Raulfs (SPD): Der ÖPNV ist ein Dauerbrenner. Um ihn bedarfsorientiert zu gestalten, braucht es aus meiner Sicht eine viel individualisierte Herangehensweise als bislang. Etwa die Flexo-Busse, die in Teilen des Landkreises schon unterwegs sind. Für Jugendliche ist die Ausweitung von Nacht- und Abendangeboten wichtig, was hierdurch verbessert werden könnte. ÖPNV muss auch erschwinglich sein, was wir mit dem Schülerticket erreichen konnten. Und es braucht überall digitale Buchungsmöglichkeiten, denn das ist für die Jugendlichen selbstverständlich.
Marion Mäding (BSW): ÖPNV muss für Jugendliche bezahlbar und zuverlässig sein. Sozialtarife, bessere Taktung und Abendangebote sind zentrale Schritte.
13. Wie kann die Anbindung von Jugendtreffs, Sportstätten und Schulen auch in den Abendstunden verbessert werden? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Ich setze mich dafür ein, dass bei der Verkehrs- und Raumplanung die Wege von Kindern und Jugendlichen konsequent mitgedacht werden. So können Freizeitangebote tatsächlich genutzt werden. Mein Ziel ist, Barrieren abzubauen und Teilhabe zu erleichtern.
Philipp Raulfs (SPD): Wie eben bereits angerissen: Durch Rufbus- oder On-Demand-Angebote in den Abendstunden. Dafür brauchen wir vielleicht auch Kooperationen mit Taxi- oder Fahrdiensten, eine Art Jugendshuttle. Bei der ÖPNV-Planung müssen Jugendliche und ihre Bedürfnisse auch fernab des Schülerverkehrs mitgedacht werden, etwa durch vorrangige Anbindungen zu beliebten, hoch frequentierten Orten.
Marion Mäding (BSW): Gerade Jugendliche brauchen sichere Mobilität auch abends. Ich will Busverbindungen in den Abendstunden ausbauen, besonders zu Jugendtreffs und Sportstätten. Es muss geprüft werden ob das Flexo-Angebot den Bedarf abdeckt.
14. Wie setzen Sie § 36 NKomVG in Bezug auf die Beteiligung junger Menschen in Ihrem Landkreis konkret um? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): § 36 NKomVG verpflichtet Gemeinden und Landkreise, Kinder und Jugendliche bei allen sie betreffenden Entscheidungen einzubeziehen. Die Formen sind offen – von Jugendräten über Foren bis hin zu projektbezogener Beteiligung. Mir ist wichtig, dass daraus keine bloße Pflichtübung wird, sondern echte Mitsprache entsteht. Ich möchte Beteiligungsformate schaffen, die Jugendliche ernst nehmen, ihnen Verantwortung zutrauen und ihre Sichtweisen sichtbar in politische Entscheidungen einfließen lassen. Mein Leitgedanke ist, dass Demokratie davon lebt, wenn junge Menschen erleben: Unsere Meinung zählt.
Philipp Raulfs (SPD): Ich möchte, dass Jugendliche sich engagieren und einbringen. Dafür braucht es die richtigen Instrumente und Wege. Wir haben einen engagierten Kreisschülerrat, der sich oft zu aktuellen Themen positioniert. Im Landkreis können wir über die Einrichtung eines Kreisjugendparlaments oder Jugendbeirats diskutieren. Oder aber grundsätzlich über themenbezogene Beteiligungsformate. Zudem sollten wir die Jugendlichen dort abholen, wo sie ganz offenkundig viel unterwegs sind: In der digitalen Welt. Hier könnten wir offen über digitale Plattformen für Jugendmeinungen diskutieren und prüfen, wie sinnvoll eine Einrichtung eines solchen Instruments wäre. Und wir sollten vielleicht auch auf diesem Weg vermitteln, was der Landkreis macht, wie man sich einbringen kann. Welche Plattformen sich dafür eignen, darauf will ich mich nicht festlegen.
Marion Mäding (BSW): Ich werde Jugendforen einrichten, in denen junge Menschen ihre Anliegen direkt einbringen können. So haben sie echte Mitspracherechte bei kommunalen Entscheidungen.
15. Wie wollen Sie junge Menschen ermutigen, sich kommunalpolitisch zu engagieren? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Ich möchte jungen Menschen Mut machen, Verantwortung zu übernehmen – sei es in Vereinen, Initiativen oder in der Politik. Dafür will ich Räume schaffen, in denen ihr Engagement wertgeschätzt wird. Mich leitet die Überzeugung, dass Demokratie nur lebendig bleibt, wenn auch die junge Generation ihre Ideen und Überzeugungen einbringt.
Philipp Raulfs (SPD): Indem sie wissen, warum sie sich einbringen und erleben, dass ihr Engagement auch Früchte trägt. Das bedeutet, wir müssen die jungen Menschen und ihre Interessen ernst nehmen und auch zügig umsetzen, insofern wir die politischen Mehrheiten dafür haben. Wenn sich Kinder in der 3. Klasse eine Rutsche auf dem Schulhof wünschen, diese dann gebaut wird, wenn die Kinder Abitur machen, dann zeigt das eins ganz deutlich: Hier konnte keine Selbstwirksamkeit der Kinder erreicht werden. Das sollte anders sein und dafür möchte ich arbeiten! Ich persönlich bin als Abgeordneter sehr viel an Schulen unterwegs und im Dialog mit den Jugendlichen. Selten erlebe ich kein Interesse. Wir müssen daher niedrigschwellige Angebote etablieren und vor allem immer wieder in den Austausch gehen. Nur so kann das gelingen. Daher verspreche ich: Auch als Landrat werde ich an den Schulen des Landkreises unterwegs sein, das ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Auch kann ich mir konkrete Projekte vorstellen. Zum Beispiel Mentoringprogramme oder aber einfach dafür sorgen, dass Projekte und Ideen von den Kindern und Jugendlichen auch sichtbar werden. Auch ist es mir wichtig, die politische Bildung durch gezielte Projekte zu stärken. Bei allem braucht es aber auch strukturelle Veränderungen durch Gesetzgebung: Ich finde es unmöglich, dass Jugendliche nicht grundsätzlich ab 16 Jahren wählen können. Im Land und im Bund ist das nicht möglich, was ich sehr bedauere. Mein Partei hat hier eine andere Haltung, die leider keine Mehrheit findet. Wenn wir den jungen Menschen Verantwortung geben möchten, dann gehört auch das Wahlrecht auf allen politischen Ebenen dazu.
Marion Mäding (BSW): Politik muss Jugendliche direkt ansprechen, verständlich sein und ihnen Raum geben. Praktika in Verwaltungen, Jugendparlamente und offene Diskussionsrunden können hier Türen öffnen.
16. Welche Maßnahmen planen Sie, um Schulen, Jugendzentren und Sportanlagen klimaresilient und energieeffizient zu gestalten? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Ich möchte Projekte fördern, in denen junge Menschen Klimaschutz praktisch erleben – sei es in Umweltprojekten, Bildungsinitiativen oder Vereinsarbeit. Mich leitet die Überzeugung, dass Verantwortung für die Schöpfung ein zentraler Bestandteil verantwortungsvoller Politik ist.
Philipp Raulfs (SPD): Für landkreiseigene Gebäude und Einrichtungen gilt aus meiner Sicht: Da, wo es möglich ist, sollten wir mit Photovoltaik arbeiten und spätestens, wenn es infrastrukturell notwendig wird, klimafreundlich nachrüsten. Grundsätzlich kann über Förderprogramme für energetische Sanierungen nachgedacht haben. Das ist natürlich immer eine Frage der Finanzen. Umso wichtiger, dass auch Förderungen von Land, Bund und EU gut um Blick behalten werden, etwa durch unsere Wirtschaftsförderung. Denn Wirtschaft und Klimaschutz gehören für mich zusammen.
Marion Mäding (BSW): Schulen, Jugendzentren und Sportstätten müssen klimaresilient werden – z. B. durch Solaranlagen, Hitzeschutz und Regenwassermanagement.
17. Wie wird der Landkreis junge Generationen auf die Herausforderungen des Klimawandels (z. B. Hitzeschutz, Starkregen, Umweltveränderungen) vorbereiten? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Die großen Zukunftsfragen betreffen besonders die junge Generation. Deshalb möchte ich Jugendliche aktiv in die Diskussionen einbeziehen – über Jugendforen, Workshops oder Beteiligungsprojekte. Mein Leitgedanke ist: Zukunft wird nicht über junge Menschen entschieden, sondern gemeinsam mit ihnen gestaltet.
Philipp Raulfs (SPD): Zuerst einmal mit guter Aufklärung in Schulen, gerne auch in Projekten mit externen Partnerinnen und Partnern. Denn dass es den Klimawandel gibt, das ist wissenschaftlicher Fakt und hat nichts damit zu tun, ob man daran glaubt. Das fehlt mir in der Debatte manchmal. Nur durch das notwendige Bewusstsein schafft man auch die Akzeptanz dafür, Dinge zu verändern. Denn auch wenn das Problem nicht aus dem Landkreis gelöst werden kann, so kann doch jede und jeder seinen persönlichen Teil dazu beitragen, dem Klimawandel zu begegnen. Das finde ich wichtig. Als konkrete Maßnahmen ist denkbar, Trinkwasserspender und Kühlzonen in Schulen einzurichten. Auch braucht es aus meiner Sicht Katastrophenschutzübungen, auch in Schulen, denn Extremwetterereignisse nehmen zu. Das könnte gut in Zusammenarbeit mit den Feuerwehren gelingen. Grundsätzlich sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig, jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Marion Mäding (BSW): Ich setze auf Aufklärung, Beteiligung und konkrete Schutzmaßnahmen: schattige Plätze, Trinkwasserversorgung, Notfallpläne bei Starkregen. Jugendliche sollen aktiv in Klimaschutzprojekte eingebunden werden. Der wirksamste Hebel gegen den Klimawandel ist die Beendigung der Kriege auf unserem Planeten, denn Kriege sind die größten Emittenten.
18. Welche Maßnahmen planen Sie zur Förderung inklusiver Freizeit- und Sportangebote für alle Jugendlichen – unabhängig von Herkunft, Behinderung, Geschlecht oder sexueller Identität? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Zu Frage 18 ist grundsätzlich zu sagen, dass das Freizeitangebot für Jugendliche zu stärken ist. Da kann es eine Aufgabe des Landkreises sein, die Juleica auch weiterhin zu unterstützen und somit den ehrenamtlich tätigen Leuten auch die Möglichkeit zu geben, in die Jugendarbeit mit einzusteigen.
Philipp Raulfs (SPD): Ich denke, das Bewusstsein für inklusive Angebote ist grundsätzlich deutlich gestiegen, wenngleich wir noch nicht am Ende sind. Barrierefreie Sportstätten und Jugendzentren sind Aspekte, auch die Unterstützung inklusiver Sportvereine und -gruppen. Hier gibt es auch schon positive Beispiele, etwa die Rollstuhlbasketballer des MTV Gifhorn. Strukturell wären Diversitätstrainings für Fachkräfte ein Einsatz, noch mehr Sensibilität zu erlangen.
Marion Mäding (BSW): Alle Jugendlichen – unabhängig von Herkunft, Behinderung, Geschlecht oder sexueller Orientierung – sollen gleichberechtigt teilhaben können. Dafür braucht es barrierefreie Räume, Sensibilisierung und offene Strukturen.
19. Welche Unterstützung erhalten queere Jugendliche und LGBTQIA+-Jugendgruppen durch Sie im Landratsamt im Landkreis Gifhorn? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Alle jungen Menschen sollen sich sicher und respektiert fühlen können – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. Ich setze mich für Beratungsangebote und Projekte ein, die Akzeptanz und Respekt fördern. Für mich ist das Ausdruck meiner Haltung, jedem Menschen mit Würde und Offenheit zu begegnen.
Philipp Raulfs (SPD): Das Queere Netzwerk ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Jugendliche und Erwachsene geworden und soll es aus meiner Sicht auch bleiben. Die Schaffung von sicheren Räumen für Queere erachte ich für sehr wichtig. Daher brauchen wir das Spektrum als wichtigen Ort und als Beratungsstelle auch zukünftig. Auch finde ich es wichtig, queeres Leben sichtbar zu machen. Durch Veranstaltungen wie den CSD, das selbstverständliche Hissen der Regenbogenfahne und weitere Projekte und Aktionen. Als Landrat werde ich genau das wie bisher auch unterstützen.
Marion Mäding (BSW): Queere Jugendliche sind Teil unserer Gesellschaft und damit integraler Teil aller Jugendangebote. Ich setze auf integrative Jugendarbeit, die niemanden ausgrenzt, sondern Vielfalt selbstverständlich lebt.
20. Wie möchten Sie sicherstellen, dass Jugendliche mit Migrationsgeschichte besseren Zugang zu Vereinsleben, Sport und Jugendarbeit erhalten? Antworten
 Telse Dirksmeyer (CDU): Zu Frage 20 ist anzumerken, dass der Schlüssel für jegliche Integration die Sprache ist. Da kann der Landkreis unterstützen, indem das Kursangebot an der KVHS weiter ausgebaut wird.
Philipp Raulfs (SPD): Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Integration gerade durch Vereine sehr gut funktioniert. Natürlich nicht immer, aber das kann ein Ansatz sein. Andere Ideen wären, Sprach- und Kulturvermittler in Vereinen einzusetzen oder Patenschafts- und Tandemprogramme auf den Weg zu bringen, damit Jugendliche mit Migrationsgeschichte überhaupt erst den Zugang zu Vereinen, Sport und Jugendarbeit erhalten. Auch sollte hier über Kooperationen mit Migrantenorganisationen und Schulen nachgedacht werden. Kurzum: Die Integration ist eine gesellschaftliche Aufgabe, der wir uns stellen müssen. Denn wir möchten Geflüchteten nicht nur den notwendigen Schutz bieten, sondern brauchen sie auch als Fachkräfte, insbesondere im sozialen Bereich. Hier braucht es eine andere, neue Willkommenskultur, die wir alle miteinander leben müssen.
Marion Mäding (BSW): Sport, Vereine und Jugendarbeit sind Schlüssel zur Integration. Ich will Vereine und Jugendzentren dabei unterstützen, Angebote noch offener zu gestalten und gezielt Zugänge zu erleichtern – durch Beratung, Begleitung und Sprachförderung.